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Montag, 21. August 2017

Rumänien

BUDAPEST - TIMIŞOARA.

Nach etwa einer halben Stunde ist auf einmal nur mehr Weite und wir fahren mitten hindurch. Ungarische Felder wechseln sich ab mit brach liegenden Flaechen und der Horizont ist hier wirklich, wo sich Himmel und Erde treffen - nicht Himmel und Berge. Millionen von Sonnenblumen ziehen vorbei, vertrocknet und mit haengenden Koepfen, wie ein Aufmarsch von Boten des Sommers, trauernd, weil bald der Herbst kommt. Die Wolken haengen tief und eine trotzige, wilde Form der Freiheit mit ihnen in der Luft, darunter grasen verstreut Kuehe zwischen Flecken bedeckt mit kleinen, lila Blumen. Unsere Blicke ziehen durch das Zugfenster ueber die Landschaft, meiner in Fahrtrichtung, in die Zukunft, Annas in die Vergangenheit, waehrend wir zusammen in der Gegenwart sitzen, den Schienen wie einem Zeitstrahl folgend.
Dass wir woanders sind, muss auf keinem Schild stehen - man spuert es. Die Zuege, die Strommasten sehen anders aus, die Voegel scheinen sich in ihrer Art zu fliegen zu unterscheiden von denen zu Hause. Zwischen den Gleisen waechst ausgeblichenes Gras und die Augen der Menschen erzaehlen unbekannte Geschichten, sprechen, wie die Menschen, fremde Sprachen.























TIMIŞOARA.

Ein kuehler Wind weht und zerpflueckt die vereinzelten Wolken am Himmel ueber Timisoara. Er laesst den geflickten, schaebigen Sonnenschirm flattern, der dem ersten der Marktstaende Schatten spendet. Dahinter folgen weitere Staende, Melonen stapeln sich zahlreich, Beeren, Tomaten, Aepfel und Trauben werden angeboten, fuer zwei, drei Lei das Kilo. Ein Lei, das sind 25 Cent. Es ist viel los am Markt - Rumaenen streifen durch die Gaesschen zwischen den Marktstaenden, Menschen mit aufrechtem Gang und offenem Blick, der uns hin und wieder leicht ueberrascht streift - wir sind, Touristen sind in diesem Teil der Stadt Sehenswuerdigkeiten, wie im Zentrum die Kathedrale und die Oper. Die Strassenbahn mit deutschen "Bitte festhalten!"-Aufklebern tuckert vorbei und alle paar Minuten begleitet die Ampel schrill tutend die Gruenphase, als wollte sie unterstreichen, dass sich hier, ja, genau hier, das echte rumaenische Leben abspielt.

















Der Hauptplatz, die Plata Unirii, ist zu gross fuer diese kleine Stadt. Kirchen, Cafes und restaurierte Haeuser umstehen eine verloren wirkende Statue in der Mitte der freien Flaeche. Hier erkennt man nun auch Touristen, die Kamera um den Hals und den Stadtplan in der Hand, wie man wohl auch uns sofort erkennen muss. Die Fremdheit klebt an uns, purzelt zwischen den Zeilen aus meinem Mund, wenn ich auf Englisch bestelle. Wuerden wir schweigen, ohne Kamera zwischen uns und der Welt, wir wuerden vielleicht als Rumaeninnen durchgehen. In einem Park fragt uns ein Mann auf Rumaenisch nach dem Weg und im Supermarkt reicht mein schnell gemurmeltes "Salud!", um unerkannt bedient zu werden.
Wie ueber der ganzen Stadt, liegt auch ueber unserem Hostel, das in einer alten, renovierten Villa untergebracht ist, eine verschlafen wirkende Ruhe. Es gibt wenige Gaeste, kaum jemand nuetzt wie wir das Abendlicht aus, um im Garten zu sitzen. Verwunschen kommt man sich hier vor, die Zeit scheint still zu stehen oder zu verfliegen, egal, man spuert sie hier nicht. Die ersten verfaerbten Blaetter liegen bereits am Boden.





















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