музикант къща не храни
Der Straßenmusikant ist wieder da. Er spielt mitten auf dem булевард
славянски, wie fast jedes Mal, wenn in Шумен die Sonne scheint. Er sitzt auf einem kleinen
Hocker, davor steht ein Aufbau aus einem Gitarrenständer, einem improvisierten
Schlagzeug, das er über zwei Pedale mit den Füßen bedient, einem Becher für
Münzen, einer Halterung für seine Thermoskanne und einem kleinen
Metallxylophon. Stoisch sitzt er und atmet durch das Akkordeon, ein und wieder
aus. Die linke Hand spielt unaufhörlich Grundakkorde, die rechte improvisiert
dazu eine Melodie, manchmal am Akkordeon, manchmal am Xylophon oder mit der
Trompete.
Seine Augen hinter der Sonnenbrille blicken nach anderswo.
Menschen spazieren vorbei, nicken ihm zu, oft fällt eine Münze in den Becher.
Niemand ist in Eile. Einige holen sich пица oder
катми
oder кафе und verweilen eine Zeitlang auf einer der vielen Bänke.
Manchmal bleibt der булевард leer
und er spielt einfach weiter. Manchmal unterbricht er ganz plötzlich, um ein
paar Worte mit einem Bekannten zu wechseln oder ein kurzes Telefonat zu führen.
Ein leichter Wind kommt vom плато und
verträgt die Musik. Tauben ziehen vorbei, manchmal, weiter oben, eine Möwe.
Irgendwann zählt er seine Münzen und holt sich von der
Bäckerei gegenüber ein Stück Pizza oder eine баница, die er dann
langsam auf einer Bank im Hintergrund seiner Bühne verspeist. Als ein
streunender Hund vorbeikommt, hält er inne, genau wie bei seinen übrigen
Bekannten. Aus seiner Tasche holt er ein Plastiksäckchen mit abgenagten Knochen
und trockenen Brotresten. Mit Schnalzen macht er das Tier, das unbeeindruckt
seiner Wege geht, als hätte es eine Besorgung zu machen, auf sich aufmerksam
und wirft ihm die Reste in größerem Abstand hin. Der Hund zögert, vorsichtig,
misstrauisch vielleicht. Der Musiker sieht ihn an, respektvoll – er nickt ihm
zu, wie man einem Kollegen zunickt und der Hund beginnt, die Knochen abzunagen.
Der Straßenmusikant sieht ihm noch eine Weile zu, dann
betritt er seine leere Bühne wieder. Der Wind hebt die Musik auf, er nimmt sie
mit sich, er verteilt sie über den булевард und
die Stadt. Wie die abgeblätterten Fassaden der Jugendstilhäuser, wie die
geblümten Fliesen aus Ziegelstein, wie der kühle Wind vom плато
und die fahle Sonne, wie das leerstehende Hotel Central, wie die Tauben und die
streunenden Katzen, wie die Menschen und wie die Zeit, die sie haben, sind die
Melodien des Straßenmusikanten Teil dieser Stadt.