i n t e r r a i l 2 0 1 9
p r a h a
Ich hörte das Prasseln von Regentropfen auf das
Plexiglasdach einer Prager Kavarna. Er höre nur die Musik, meinte
Philipp; ob es tatsächlich wieder regne? Aber ja, erwiderte ich, schau doch, man sieht
sogar die Tropfen; aber er schien es nicht glauben zu wollen.
Schwere Wolkenteppiche hatten von Süden kommend dunkles
Herbstlicht über die Schwüle des Vormittags gebreitet. Langanhaltendes Poltern
war über die Stadt gerollt, bevor endlich die ersten Tropfen gefallen waren.
Unter einer Brücke auf einer Insel in der Moldau hatten wir einen der
heftigeren Regengüsse abgewartet,
// Sind hier die
Brücken heil, geh ich auf gutem Grund //
bevor wir endlich in diesem Kaffeehaus Schutz gesucht
hatten. Philipp deutete auf eine schwarze Tafel an der Wand hinter mir. Malina stand dort. Himbeerlimonade.
Als der Kellner unsere Bestellung brachte, fiel mir das
tschechische Wort für Danke wieder nicht ein.
// Grenzt hier ein
Wort an mich, so lass ichs grenzen //
Thank you, sagte
ich, unzufrieden.
Die linke Wand im Eingangsbereich des Cafés war bedeckt mit
Büchern. Ich entdeckte einen Band von Stefan Zweig. Ob sich zwischen
all den Konsonanten auch Texte von Kafka befanden, konnte der Kellner mir nicht
beantworte.
Irgendwann ließ das Klopfen nach. Unter der Karluv Most
flossen langsam graue Wolken dahin, und Reflexionen der Möwen am Himmel zogen
wie schwarze Fische hindurch. Nervöse Blitze beleuchteten den Hradschin und
wieder krachten Donner wie Paukenschläge. Straßenmusiker mit schwarzen Kapuzen
begleiteten sie, und bei jedem Krachen ging ein Raunen durch die bunten
Menschengruppen auf der Brücke. Am Rand stehend hörten wir im Gewitterwind nur
das gemeinsame Konzert von Straßenmusikanten und Donnerpauken, dazu unter uns
das Ballett der Möwenfische. Ich legte eine kleine weiße Muschel an den
äußersten Rand des steinernen Brückengeländers und blies darauf, bis sie wie
ein Blütenblatt in die dunkle Moldau segelte.
// Liegt Böhmen noch
am Meer, glaub ich den Meeren wieder
und glaub ich noch ans
Meer, so hoffe ich auf Land //
In der Mitte des Tages hatten wir
im luftig hellen Praha 10 ein Schiff entdeckt. Es fuhr stehend in den
blassblauen Himmel, der durch das riesige Steuerrad blickte. Das Schiff war
eine Kirche und das Steuerrad die Uhr in ihrem schiffsbrückenhaften Aufbau.
Kein Kirchenschiff, sondern eine Schiffskirche, sagte
Philipp.
// Und irrt euch
hundertmal
wie ich mich irrte,
und Proben nie bestand,
doch hab ich sie
bestanden, ein um das andre Mal
Wie Böhmen sie
bestand, und eines schönen Tags
ans Meer begnadigt
wurde, und jetzt am Wasser liegt. //
Die Tür der Kirche blieb uns verschlossen. Stattdessen
folgten wir dem Wink des futuristischen Fernsehturms. Jeden Moment schien er
abheben zu wollen wie eine Weltraumrakete aus den Zeiten des Kalten Krieges.
Riesige, nackte Kleinkinder aus Metall krochen auf Knien über die
Stahlkonstruktion. Es hätten auch Aliens sein können. Mitten einer angenehm
ruhigen Wohngegend in Praha 3 stand der Bau. Ein schweigender
Hausfriedensbruch. Dafür direkt daneben ein Versuch des ewigen Friedens: der
alte jüdische Friedhof. Wie ruht es sich an einem solchen Ort?
// Steinwald, keine
vorzüglichen Gräber, nichts zum Hinknien
und für die Blumen
nichts. So eng ist dort ein Stein, wie den
andren um den Hals
fallend, keiner ohne den andern zu denken,
und für die Lebendigen
einen Spaltbreit Durchlass gewährend,
trauerlos, wer den
Ausgang erreicht, hat nicht den Tod,
sondern den Tag im
Herzen. //
Wir wanderten durch den Steinwald, wenig beachtet schien er
zu sein, und vielleicht kam daher sein Ausdruck. Auf den steinernen Tafeln
häuften sich wiederum Steine im Angedenken der Toten – auf manchen Gräbern
mehr, auf manchen weniger.
Stille und wucherndes Unkraut. Im Hintergrund der
Fernsehturm.
Friedhöfe sind doch letztendlich nur für die Überlebenden
da, hatte Philipp gemeint. Wie ein Schulterzucken hatte es geklungen.
Rund um diesen Ort der Vergangenheit und dessen, was einmal für die Zukunft
gestanden hatte, lebten die Menschen Prags in ihren Häusern, die grün waren
oder nicht, genauso schulterzuckend vielleicht – als wäre dies der Anblick, den
ein Innenhof zu bieten hätte.
An einem weiteren Tag, als der Regen nachgelassen hatte,
besuchten wir den neuen jüdischen Friedhof. Dort kein Steinwald. Wir, die
Lebendigen, schritten über breite Wege, und grau knirschte der Kies unter
unseren Füßen. Wir legten eine Muschel zwischen die Steine unter einer
Gedenktafel für ermordete jüdische Künstler. Zwei weitere Muscheln
legten wir auf Kafkas Grab. Als einziges weit und breit war es nicht von Efeu
überwuchert, und sein Name der einzige, vor dem ein Titel prangte. Dr. Franz
Kafka. Untreu erschien es mir – untreu, für Kafka. Umschiffbar, diese Untreue,
vielleicht nur durch Falschlesen. Dr.
Franz Kafka vielleicht in Wahrheit gar nicht Doktor. Vielleicht stattdessen Dichter. Denker. Durchbrecher.
Ein kühler Wind wehte Philipp zum hundertsten Mal die
geliehene Kippa vom Kopf. Als wäre sie nur hierfür gemacht: dass der
Uneingeweihte sie, wieder und wieder sich bückend, mit der Hand vom Boden
aufhebe.
Das war gut, dass wir hier waren, sagte ich, als wir wieder
auf der Straße standen und niemals gleiche Straßenbahnen an uns vorbeizogen.
Philipp lächelte. Wer den Ausgang erreicht, hat nicht den Tod, sondern den Tag im Herzen, sagte er.
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t o r u ń - c h e ł m ż a
Ich hörte das Fauchen einer Kakerlake auf der Hand meines
polnischen Gastgebers. Do you want to hold it, fragte Wojtek und hielt mir das
schwarze, fingergroße Insekt hin. Ich schüttelte den Kopf, streckte dann aber
doch die Hand aus, um vorsichtig den glatten Panzer zu berühren, bevor Wojtek das
Insekt wieder in die mit einem Netz verschlossene Plastikbox setzte, in der
sich noch mindestens zehn seiner Artgenossen befanden. Ich lachte. Moments like this, that’s why I
love Couchsurfing, sagte ich. Something like this would never happen in a hostel.
Well, maybe only in a very bad hostel, erwiderte Wojtek mit
einem verrutschten Lächeln. Oft schien es mir, als wäre er das Lachen nicht so
richtig gewohnt – nicht mehr, vielleicht. Als hätte er es ein wenig verlernt, und
als ob er, wenn es doch dazu kam, sich nicht ganz sicher fühlte mit diesen Bewegungen
seiner Gesichtsmuskeln.
Wojtek arbeitete im Zoo in Toruń. Er stand kurz vor dem
Abschluss seines Masters im Bereich Tierpflege, und in seinem Zimmer hing eine
Europakarte mit Nadeln für all die Städte, deren Zoo er bereits besucht hatte.
Sein Beruf war seine Leidenschaft. Zögerlich und stolz zugleich zeigte er mir
eine Kiste mit Fundstücken, eine Schlangenhaut, ein Haar aus dem Büschel am
Ende eines Elefantenschwanzes. Ob ich eine Pfauenfeder wolle, fragte er – er habe
ohnehin viel zu viele davon.
Nach vier Jahren des Studentenlebens in Wohngemeinschaften
in Bydgoszcz, Gdańsk und Praha wohnte Wojtek nun wieder in seinem Elternhaus bei
Chełmża, nicht weit von Torun. Seine Eltern hatten mich polnisch mit drei Wangenküssen
begrüßt, und als ich ihr einen Blumenstrauß als Gastgeschenk überreichte,
küsste mich Wojteks Mutter gleich noch ein viertes Mal. Basia, danke!, rief sie strahlend,
und ich wusste, ich war am richtigen Ort. Soll ich deine Wäsche waschen, fragte
Yola mich am Morgen und ergänzte nach einer kurzen Pause lächelnd: Ich freue
mich, dass du noch eine Nacht bleiben möchtest!
Das ist das Land, Basia, erklärte sie beim Frühstück und
deutete auf die nebligen Felder, die kleinen Landstraßen und die Weite vor den Fenstern
des hellen Hauses, während sie mir Tee nachschenkte. Dass ich hier in Polen
Basia, als Kurzform für Barbara, genannt
wurde, daran hatte ich mich bereits gewöhnt – bald so sehr, dass es mir
richtiger und passender erschien als mein ungekürzter Name. Yola sprach kein
Englisch und ihr Deutsch hatte sie lange nicht mehr gebraucht. Neben ihrer
Tasse am Frühstückstisch lag ein abgegriffenes Wörterbuch mit braunem Umschlag
und abblätternden Goldbuchstaben: Niemicki – Polski, Polski – Niemicki. Ob ich
keine Angst hätte, alleine bei fremden Menschen zu übernachten, fragte sie.
Gerne hätte ich ihr gesagt, dass Menschen wie sie und ihre Familie das beste
Beispiel dafür waren, dass Angst zu haben sich viel zu selten lohne. Eigentlich
nicht, sagte ich stattdessen und hoffte, dass sie den Rest aus meinem Lächeln
lesen konnte.
Am Abend meiner Ankunft, nachdem wir von Toruń kommend über
eine schnurgerade Landstraße Richtung Westen gefahren waren und der ganze
Himmel, der in Polen weiter war als irgendwo sonst, uns entgegen geleuchtet
hatte; an diesem Abend nahm Wojtek mich und Dora, seinen Labrador, mit auf
eine Spaziergang durch seine Heimatstadt Chełmża. Ich beschloss, den nächsten Vormittag dort zu verbringen. Eine Stadt, die ich niemals
gefunden hätte, hätte ich sie gesucht. Eine alte Stadt, viel älter als viele
andere Städte in Polen. Eine Stadt direkt an einem See, mit Gassen voller
kleiner Piekarnias und Geschäfte, voller Menschen, die sich begegnen, plaudern
und ihre Einkäufe erledigen, mit dem ältesten Kirchenchor Polens, mit einem
Friedhof, der bunt ist von all den Blumensträußen auf seinen Gräbern, mit einem
Namen, der weich klingt wie eine Umarmung, wenn er richtig ausgesprochen wird
und mit einem kleinen Tourismusbüro, in das niemand sich jemals verirrt.
Wirklich, hatte Yola gefragt, in Chełmża willst du den
Vormittag verbringen? Wird es nicht zu lang sein?
Der Fahrkartenautomat am Bahnhof war kaputt und im Zug nach
Toruń bildete sich ganz vorne, beim Schaffner, eine lange Schlange. 2 Zloty 90
Groschen für eine Fahrt durch den Regen, der auf die Ebenen fiel. Der Wind
wehte in mir in Toruń ins Gesicht und ich war froh um die Nylonstrumpfhose, die
ich in einem der kleinen Geschäfte in Chełmża gekauft und sofort unter meiner
Jeans angezogen hatte.
Warum ich sie dort gekauft hätte, fragte mich Wojtek, als
ich ihn bei seiner Arbeit im Zoo besuchte, wo ich doch zur großen Drogeriekette am Rand der Stadt hätte gehen
können?
Die Erdmännchen, die Emus, die Kängurus und die Lemuren –
alle Tiere hoben den Kopf oder kamen zum Zaun gelaufen als ich mit Wojtek
vorbeiging. Vorsichtig und gewissenhaft, als hätten sie Angst, etwas fallen zu
lassen, nahmen ihm die roten Pandas Apfel- und Karottenstücke aus der Hand. Ob
ich wisse, dass weibliche Schleiereulen braun gefleckt seien?, fragte Wojtek.
Bei Hedwig sei J. K. Rowling hier wohl ein Fehler unterlaufen, ergänzte er und
lächelte verrutscht.
Als ich später, nach einem weiteren Rundgang durch Toruń im verregneten Halbdunkel in Chełmża aus dem
Zug stieg, holte er mich mit dem Auto ab. Er habe sowieso etwas bei Lidl zu
besorgen, erklärte er und kaufte dort nichts außer einer Flasche Geschirrspülmittel.
Im letzten Licht begleitete ich Yola auf ihrer Runde durch die Felder. Ich mag den Herbst am liebsten, Basia, sagte sie, als der Wind Blätter über den nassen Asphalt jagte.
Im letzten Licht begleitete ich Yola auf ihrer Runde durch die Felder. Ich mag den Herbst am liebsten, Basia, sagte sie, als der Wind Blätter über den nassen Asphalt jagte.
Vor Wojteks Laptop sitzend tauschten wir Musik: SDM und Slawomir
gegen Wanda und Wiener Blond. In dem kleinen Club in Chełmża, dessen Eingang
zwischen finsteren Wohnhäusern nur Eingeweihte finden konnten, hatten wir
am Vorabend begonnen, über Musik zu sprechen als „Sobie i Wam“ gelaufen war, zweimal
hintereinander, als hätte der DJ gemerkt, dass mir das Lied gefiel. Am Heimweg war
Wojtek redseliger gewesen als sonst. Das eine polnische Bier hatte genügt;
oder vielleicht war es auch einfach die seltsame Unterbrechung seiner Alltage,
die mein Besuch bedeutete. Aus einer kleinen Bar schallte laut polnische
Partymusik, und diesmal wirkte Wojteks Lachen endlich, als wäre es am richtigen
Platz.
Do you like
dancing, fragte ich schmunzelnd.
Yes, erwiderte Wojtek. I’m not a good dancer, ergänzte er
nach einer kurzen, nachdenklichen Pause, - but I do like dancing.
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k ö l n
Ich hörte Orgelspiel, das gedämpft durch eine Seitentür des
Kölner Doms nach außen drang. Vor der Tür stand ein Auto, aus dem ein Mann seit
einiger Zeit Kiste um Kiste zerrte, um sie direkt vor dem Eingang in Stapeln
abzustellen. Wir kamen bereits zum zweiten Mal hier vorbei. Nicht weit entfernt
von dem Mann blieben wir erneut stehen und schauten, den Kopf in den Nacken
gelegt, an der riesigen Fassade des Doms hoch.
Ich frag jetzt einfach, sagte Anna und ging zu dem Mann, dem
wir zweifellos ohnehin bereits aufgefallen waren. Um 22:30 an einem
Freitagabend treiben sich selbst vor der größten gotischen Kirche der Welt
nicht ganz so viele Menschen herum. Gibt es vielleicht noch eine Möglichkeit,
heute den Dom von innen zu sehen, fragte Anna, und wir beide schauten den Mann
hoffnungsvoll an. Leider, antwortete er, das sei heute nicht mehr möglich. Er müsse nur Sachen für
das morgige Konzert abladen. Wir nickten, schade, aber das verstehen wir
natürlich, sagten wir. Trotzdem blieben wir in der Nähe des Mannes und schauten weiter auf
die Kirche. Sie ist so riesig, wiederholten wir, ein bisschen lauter als nötig, das gibt’s doch gar nicht.
Sechshundert Jahre lang ist daran gebaut worden, sagte Anna. Was, erwiderte ich
ungläubig, 600 Jahre, das kann doch nicht sein, doch wirklich, meinte Anna, schau,
von 1248 bis 1880. Wahnsinn, stell dir das einmal vor, wie viele Generationen
von Menschen nur an diesem Dom gebaut haben, meinte ich. Ja, und dann noch
diese ganzen Details, sagte Anna.
Da meldete sich der Mann zu Wort. Und ihr fahrt also morgen
schon, ja? Woher kommt ihr denn? Wien, soso. Na, wenn ihr sonst wirklich keine
Gelegenheit bekommt, den Dom von innen zu sehen ... um 23:00 werden wir
hier reingelassen. Ihr könnt ja einfach ein paar Kisten schieben und kurz
mitkommen.
Gleich kommt einer der Domschweizer, um uns aufzumachen,
hatte der Mann gemeint, und 15 Minuten später öffnete sich tatsächlich die riesige
Seitentür und wir wurden eingelassen. Bemüht, nicht aufzufallen und nur ja
keine Kisten umzuwerfen, betraten wir den Kölner Dom. Ich warf verstohlene
Blicke nach oben, rechts, links. Noch beeindruckender, noch mächtiger, noch
größer, falls das denn möglich war, erschien die Kirche von innen. So groß,
dass man sie mit einem oder auch mit zehn Blicken unmöglich erfassen konnte.
Unter den wachsamen Augen der Domschweizer stellten wir die Kisten ab und
gerade als wir anfingen, unverhohlen die ganze Mächtigkeit anzustarren, setzte
das Orgelspiel wieder ein.
In mäßiger Lautstärke zuerst, als handele es sich um
irgendeine Orgel in irgendeiner Kirche. Ein wenig lauter, ein wenig leiser
werdend, die Grenzen fast unmerklich austestend im Lauf des Stückes, als ob sie sagen wollte: da ist doch nichts dabei. Nach einiger Zeit
aber, als würde ein Windstoß die Musik erfassen und versuchen, sie davonzutragen,
wurden die Töne wilder, stärker, entschiedener. Mezzoforte, die großen Pfeifen
der Orgel kamen dazu, langsam, aber stetig begann sich all der Raum im Kirchenschiff
zu füllen mit Klang. Mehr und mehr, schneller, ungestümer, und irgendwann dann
forte, der Raum jetzt voll von Tönen, dass die Luft zu schwingen begann – fast
konnte ich es sehen im gedimmten Licht der Leuchten. Schweigend schaute ich in
Richtung des riesigen Instrumentes als könnte ich den Klang durch meine Augen aufnehmen.
Die Königin der Instrumente, das ist die Orgel, hatte einmal jemand zu mir
gesagt, und nirgends war es zweifelloser als hier. Eine letzte Böe, der
Schlussakkord, nachhallend in der Leere des Bauwerks; der ganze Dom vielleicht
nichts anders als der Korpus dieses Instrumentes. Irgendwann Stille, stiller
als zuvor, im Kopf immer noch Nachklang, der Sturm aber
weitergezogen.
Als wir wieder am Domplatz standen, nachdem wir vom Domschweizer wieder entlassen worden
waren und dem Musikus, der unser Schleuser gewesen war, nochmals gedankt
hatten, hielten wir inne. Ist das gerade wirklich passiert, fragte ich, ja,
sagte Anna, wir waren gerade im Kölner Dom, wir sind einfach eingeschleust
worden und dann waren wir drin. Wir waren im Kölner Dom, wiederholte ich. Wir
waren im Kölner Dom und die Orgel hat gespielt.
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